Für dieses Fest muss der Veranstalter nicht werben. Bevor das Programm feststeht, liegen schon mehr als 300 000 Vorbestellungen auf dem Tisch. Es gibt keine Veranstaltung in Hannover, die auch nur annähernd so beliebt ist, wie das Kleine Fest im Großen Garten. 53.000 Karten werden im Vorverkauf vergeben. Wer leer ausgegangen ist, muss nicht verzweifeln. Er sollte sich einen Klappstuhl schnappen und früh genug in der Schlange vor der Abendkasse der  Herrenhäuser Gärten Platz nehmen. 200 Karten werden dort an jedem Veranstaltungstag verkauft. Zwei pro Nase, für jeweils 30 Euro.

Ein kleiner Preis für ein großes Fest. Vielleicht macht auch das den Erfolg aus. Hier muss keiner das Gefühl haben, abgezockt zu werden. Man darf sich seine Getränke und das Sandwich im Picknickkoffer mitbringen und muss auch keinen Sitzplatz kaufen, sondern kann die eigene Decke auspacken. Wer es bequemer liebt, kann sich von der Schloßküche Herrenhausen im Lindenstück und auf dem Weg zur großen Fontäne bewirten lassen oder am Schwanenteich in den orientalischen Zelten des Moccamakers Feigentee oder Mokka mit Kardamom genießen.

Bei diesem Fest ist eben alles anders. Der Veranstalter, der sich vor ungefähr 33 Jahren das Ganze ausdachte, hat immer noch kein Ferienhaus auf Sylt, er steht noch immer selbst am Regiepult (oder Eingang) und seinen Dienstanzug, die bunte Weste und den Zylinder, trägt er auch schon seit vielen Jahren. Er heißt Harald Böhlmann, war mal Kulturdezernent der Stadt Hannover und hat seine Idee inzwischen in den Schlosspark Ludwigslust, den Kurpark Bad Pyrmont, den Schlosspark Clemenswerth und den Schlosspark der Evenburg in Leer exportiert. Seit 2011 gibt es auch das „Best of Kleines Fest“ im Schlosshof der Marienburg.

Das Flaggschiff der böhlmannschen Festflotte bleibt natürlich der Große Garten, der Hauptdarsteller, der grüne Festsaal. Und das Programm ist gewaltig: 16 Abende (Premiere am 12. Juli), 35 Spielorte, mehr als 100 Künstler aus 20 Nationen mit Akrobatik, Musik, Pantomime, Comedy, Zauberei und Marionettentheater.

Publikumslieblinge, die wiederholt ausgebucht waren, sind die tempoliebenden Jambo Brothers mit ihrer Show, die sie eigens für das Kleine Fest kreiert haben. Auch diesmal verbinden die Kenianer Jux und Dollerei mit spektakulären Salti, Limbotanz und Feuer-Jonglage. Einem Jahrmarkt des 19. Jahrhunderts scheint das Duo Manducas aus Portugal entsprungen zu sein. Mit ihrer urkomischen Partnerakrobatik waren sie schon weltweit unterwegs; das Zirkusfestival in Monte Carlo adelte die Ausnahmekünstler mit einer Einladung.

Auch bei der etwas anderen Flamenco Comedy Show von Paul Morocco und Olé bleibt kein Auge trocken. Mit rasantem Machocharme servieren die drei Latinos einen musikalisch-komödiantischen Leckerbissen. Wer den lasziven Hüftschwung und die unvergleichliche Stimme von Mrs. Brownie nicht versäumen will, ist beim Teatre Nu aus Spanien richtig. Hier blickt die leicht ergraute Jazz-Diva mit dem Publikum auf ihre glänzende Karriere zurück. Leidenschaft pur erwartet die Zuschauer bei „Juggling Tango“, wenn die elegante Tanguera zur Musik von Astor Piazzolla auf den international prämierten Tempojongleur trifft.

Mit frechem Witz und scharfsinniger Selbstironie verblüfft der Kabarettist und Artist Timo Wopp auch in seinem neuen Programm. Zum ersten Mal dabei ist Thomas Kreimeyer. Er beherrscht die hohe Schule des Stehgreif-Kabaretts und macht aus jeder Wortspende ein Vermögen. Endlich gibt es zudem ein Wiedersehen mit
einem der weltbesten Clowns. Bei Peter Shub wird ein Stativ zur Geliebten und ein
Garderobenständer zur Falle. Freunde des Puppentheaters kommen im Boskett auf ihre Kosten. Zwei Ensembles erzählen poetisch-fröhliche Geschichten aus dem Alltag.

Auf der Flaniermeile an den Schwanenteichen geht es sehr entspannt zu. Im Barbierladen Barbar aus Belgien glaubt man sich in alte Zeiten versetzt. Während der Rasur spricht man über Gott und die Welt und bekommt auch mal einen Kaffee serviert. Und wie wär’s mit einer Hutkreation aus Altpapier oder Poesie im Vorlesezimmer?

Zwischen den Bühnen, irgendwo im Garten begegnen den Besuchern wie immer fantasievolle Walk Acts: Kuriose Gestalten, Fabelwesen, ein quirliger Hund und eine Katzenfamilie sind unterwegs, während in luftiger Höhe wieder die eleganten Tänzerinnen auf Stelzen vom Teatro Pavana durch den Garten schweben. Kunterbunte Wesen beobachten ihre  „Opfer“, um sie dann liebevoll zu necken. In einer großen Luftblase erscheint irgendwo eine Meerjungfrau, die versucht, mit dem Publikum Kontakt aufzunehmen.

Und schließlich gilt immer noch: Kein Kleines Fest ohne Frans! Alle kennen den kleinen Clown, der niemals spricht, aber mit großen Augen liebend gerne flirtet. In seiner viel zu großen Lederhose und mit seinem noch größeren Koffer ist er wieder unterwegs.

Der fast vierstündige Abend gipfelt im Défilée aller Künstler und dem Feuerwerk zu Musik, das wieder in zwei Versionen zu erleben ist. Später verabschiedet sich der Große Garten mit Illuminationen und Wasserspielen zu Barockmusik.