Die ersten warmen Sonnentage im Frühling erwecken die Lebensgeister und machen Lust auf Unternehmungen in der Natur, Veranstaltungen unter freiem Himmel, bei denen man es sich auf quirligen Terrassen gut gehen lassen kann – und natürlich auf Reisen.

Wie wäre es diesen Sommer mit einer Städtereise nach Hannover?

Die Landeshauptstadt hat garantiert jede Menge interessante Sehenswürdigkeiten, aufregende Open-Air-Festivals, ortstypische Stadtfeste sowie erfrischende Orte für warme Tage zu bieten.

Dass der Sommer bald vor der Tür steht, merkt man in Hannover insbesondere daran, dass die zahlreichen Stadtbrunnen wieder anfangen zu plätschern und somit die Brunnensaison eingeläutet wird – die Brunnen sind nämlich während den Wintermonaten zwischen Oktober und April außer Betrieb.

Die plätschernden Geräusche verleihen den Straßen der Innenstadt von Hannover nicht nur ein erfrischend-sommerliches Ambiente, sondern bieten gleichzeitig die Möglichkeit, sich bei einem Gläschen Wein und Kerzenschein auf einer nahe gelegenen Terrasse der Romantik sowie nostalgischen Träumereien hinzugeben.

Auf Brunnenerkundungstour durch die Innenstadt

Viele der Zier- und Trinkbrunnen in Hannover befinden sich in den Straßen der Innenstadt, daher ist es keine schlechte Idee, eine Café-Tour mit einer Brunnenerkundungstour zu verbinden. So kann man sich durch das gastronomische Angebot schlemmen und gleichzeitig etwas über die interessante Geschichte der Stadt lernen. Bei Sonnenschein, leckerem Kaffee und plätschernden Hintergrundgeräuschen ist es doch einfach herrlich, die Gedanken durch die verschiedenen Epochen reisen zu lassen, aus denen die Brunnen jeweils stammen.

Hannovers Brunnen – von modern bis nostalgisch

Gänseliesel-Brunnen am Steintorplatz

Dieser aus dem Jahr 1898 stammende, vom hannoverschen Bildhauer Carl Dopmeyer gestaltete Brunnen ist einer der romantischsten und ältesten Brunnen im Stadtgebiet von Hannover. Die lebensgroße Bronzestatue eines barfüßigen Mädchens, das in ihrer Bauerntracht liebevoll auf eine Gans hinabblickt, erinnert an jene Zeiten, in denen die Nutztiere noch zum Grasen auf die üppigen Wiesen außerhalb der Stadt gebracht werden mussten.

Auf den an der Granitsäule angebrachten Bronzereliefs sind noch weitere Zeugen aus der damaligen Zeit abgebildet, und zwar ein Hirsch im Wald, ein Bauernhaus, ein Jäger in Begleitung eines Hundes sowie ein Fuchs auf der Gänsejagd. Das Brunnenwasser sprudelt aus dem Maul eines Frosches, eines Auerhahns und einer Gans.

Der ursprüngliche Standort des Brunnens war bis 1980 eine als „Goseriede“ (niederdeutsch für „Gänsegraben“) bezeichnete Straße, deren Name einen Hinweis auf den damaligen Verlauf der Stadtgrenze gibt.

Klaus-Bahlsen-Brunnen am Trammplatz

Von der Romantik zur Logik: Ganz im Gegensatz zum nostalgischen Gänseliesel-Brunnen repräsentiert der vom Düsseldorfer Künstler Luder Gerdes gestaltete Brunnen vor den Toren des Rathauses von Hannover kühl-modernes Design. Die Highlights des Brunnens mit dem Schachbrettmuster und den ringförmig angelegten, polierten Granitblöcken sind zwei sechs Meter hohe Wasserfontänen und die Tatsache, dass dieser Brunnen begehbar ist, wodurch er an heißen Tagen förmlich zu einem erfrischenden Planschvergnügen einlädt.

Auf einem der Granitblöcke ist das Wort „sondern“ (im Sinne von aussondern) zu sehen, das vom Künstler als Hinweis auf das Recht auf Besonderheit dort platziert wurde. Die auseinanderdriftenden Halbkreise mit dem Schachbrettmuster sollen zudem das Auseinanderdriften der Gesellschaft veranschaulichen.

Blätter-Brunnen in der Fußgängerzone

Perfekt geeignet für ein Päuschen zwischen Shopping und Sightseeing ist dieser reizende City-Brunnen mit dem Blätterdesign von Emil Cimiotti, denn er ist von mehreren Stühlen umgeben, auf denen man sich ausruhen und sich das „Blätterkonstrukt“ näher ansehen kann.

Ganz in der Nähe befinden sich zudem Cafés, die den Blick auf den Brunnen bei gleichzeitigem Genuss einer kulinarischen Spezialität ermöglichen.

Dass der Künstler nicht nur über künstlerisches Talent sondern auch Humor verfügt, beweist die Tatsache, dass er inmitten des „Blättergestrüpps“ eine kleine Schnecke eingearbeitet hat, die besonders gerne von Kindern gesucht wird.

Geschwister-Brunnen auf der Grupenstraße

Der von Kurt Lehmann zwischen 1955 und 1956 entworfene Brunnen mit der lebensgroßen Bronzeplastik, die zwei spielende Kinder darstellt, bringt förmlich Leben in die Grupenstraße, die sich zwischen der Altstadt und dem Platz der Weltausstellung befindet. Für das Motiv standen die eigenen Kinder des Künstlers Modell. An heißen Tagen kann man sich auf den Rand setzen und mit dem kühlen Nass für Erfrischung sorgen.

Hase-Brunnen am alten Rathaus

An dem einst auf dem Marktplatz befindlichen Hase-Brunnen haben gleich fünf Künstler gearbeitet. Benannt wurde er jedoch nach dem Architekten Conrad Wilhelm Hase, der den Entwurf des Zierbrunnens im gotischen Stil angefertigt hatte.

Zwei Rücken an Rücken stehende Marktfrauen – eine Fischverkäuferin und eine Blumenhändlerin – erinnern an das Marktgeschehen vor langer Zeit. Die Drachenköpfe aus denen das Wasser heraussprudelt sowie zahlreiche Symbole und Ornamente sind interessante Details dieses Brunnens, über deren Bedeutung man anschließend bei einem Kaffee rätseln und spekulieren kann.

 

Körting-Brunnen auf der Lister Meile

Einen lustigen Anblick bietet der Körting-Brunnen mitten in der Einkaufsstraße „Lister Meile“ des Stadtteils List. Entworfen wurden die wasserspeienden Pferdeköpfe (manche sehen darin eher Hahnenköpfe) vom hannoverschen Architekten Gerhard Bünemann.

Besonders beliebt ist das von den Anwohnern als „Pferdekopf-Brunnen“ bezeichnete Kunstwerk bei Kindern, denn die „Schnauzen“, aus denen die handbreiten Wasserstrahlen heraussprudeln, lassen sich um 90° drehen. Doch auch erwachsene Anwohner und Stadtbesucher machen am Brunnen mit der quirligen Atmosphäre gerne Halt, um einfach nur ein Pläuschchen zu halten oder um sich einen leckeren Eisbecher schmecken zu lassen.

Majolika-Brunnen am Emmichplatz

Gegenüber der Musikschule am Emmichplatz befindet sich ein besonders ansprechendes Brunnenexemplar. Die kostbare, aus blaugrün schimmernder Keramik hergestellte expressionistische Pflanzenstruktur, die an eine Artischocke erinnert, war ein Geschenk des Unternehmers Hermann Rese an die Stadt Hannover. Der Brunnen gilt als einer der schönsten Brunnen Hannovers, zählt jedoch aufgrund seiner filigranen Keramikoberfläche aus Zinnglasur sicherlich auch zu den sensibelsten.

Als „Majolika“ werden verschiedene Arten farbig glasierter Tonware, insbesondere die farbig bemalte zinnglasierte italienische Keramik des 15. und 16. Jahrhunderts, bezeichnet. Ursprünglich stammt diese Keramiktechnik jedoch aus dem damals islamischen Spanien – daher auch der Name „Majolika“, denn das ist die altitalienische Bezeichnung für Mallorca.

Außer den hier vorgestellten Brunnen hat Hannover noch viele weitere im Angebot, und sie warten nur darauf, von Stadtbesuchern entdeckt zu werden. Brunnen sind jedoch nicht die einzige Wasserquelle in Hannover. Weitere Erfrischungsmöglichkeiten bieten neben den verschiedenen Freibädern auch die herrlichen Badeseen, an deren Ufern sich gemütliche „Strandbars“ angesiedelt haben, die dank ihren Sandböden für richtiges „Strandfeeling“ sorgen.

Text: Michael Panusch