Polizeipräsident Volker Kluwe ist zu Gast am 22.9., 19 Uhr bei „Kaffeeklatsch – live! Talk mit Nerissa Rothhardt“

»Veranstaltung«

 

„Wenn wir uns jetzt hier hinsetzen, befinden wir uns im Sanitärbereich.“ Volker Kluwe weist auf den Konferenztisch im vorderen Teil seines geräumigen Büros. Tatsächlich befand sich hier ursprünglich die Toilette des Polizeipräsidenten. Das sei allerdings vor seiner Zeit gewesen, meint der freundlich undbedächtig wirkende Mann mit dem kurzen Vollbart und der Brille.Heute wirkt das Büro des höchsten Ordnungshüters der Stadt Hannover in dem historischen Gebäude von 1903 sehr modern. „Ich habe es hier gut getroffen, auch wenn ich nicht mehr zu Fuß von der Villa zum Dienst gehen kann“, erzählt der Polizeipräsident augenzwinkernd. Denn auch die Villa gibt es nicht mehr, dafür aber eine Menge furchterregender Fratzen an den Wänden des Sitzungssaals des Polizeipräsidiums. „Durch diese Tür erschien er und verschwand auch wieder durch diese Tür. Er hatte den direkten Zugang von seinem Büro, damit er nicht einem einfachen Polizisten auf dem Flur begegnen musste“, berichtet Volker Kluwe bei einem Rundgang durch die hohen Räume. Seitdem hat sich viel geändert. „Ich bin Polizist geworden, weil ich den direkten Kontakt von Menschen mit Menschen mag“, bekennt Volker Kluwe. Sein Wunsch, zur Polizei zu gehen, kam mit dem Sport. „Ich spielte im Polizeisportverein Fußball, da kam man auch mal ins Gespräch und das hat dann meine Neugierde geweckt“, erinnert sich der 61-Jährige. „Am meisten beeindruckt aber hat mich mein Trainer. Ich war sehr begeistert davon, wie er sich um die Spieler gekümmert hat.“ Eigentlich soll Volker Kluwe nach dem Abitur studieren. „Ich dachte kurzzeitig an BWL, aber hatte keine richtige Lust aufs Studium.“ Er bewirbt sich bei der Polizei und erlebt seine erste Enttäuschung: „Die Schulbank war geblieben, denn ich musste auch bei der Polizei studieren“, schmunzelt Kluwe. Allerdings wurde er auch gleich mit einer harten Realität konfrontiert: Sein Einstieg in die Laufbahn als Kriminalbeamter stand 1975 ganz im Zeichen des Terrors der Roten Armee Fraktion (RAF).

Es waren noch zwei Jahre bis zu dem Deutschen Herbst, in dem Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer erschossen wurde und der Terror seinen Höhepunkt erreichte.„Ich bekam sehr bald eine Maschinenpistole in die Hand gedrückt, mit der ich an den Straßenkontrollen teilnahm. Es herrschte eine sehr angespannte Atmosphäre im Land und es war ein anderer Terror als heute, sehr viel konkreter – und er kam aus Deutschland“, erzählt Kluwe. „Ich habe ein mulmiges Gefühl gehabt, als ich mit der MP an der Kontrollstelle stand.“ Der Terror ist zurückgekommen, dieses Mal nicht politisch motiviert, sondern als islamistischer Terror. „An dieses Gefühl damals habe ich mich wieder erinnert, als hier bei uns das Länderspiel abgesagt worden ist. Und ich kann deshalb, weil ich es als junger Mensch selbst erlebt habe, auch gut nachvollziehen, wie es heute den jungen Kollegen geht“, meint der oberste Vorgesetzte von 3500 Polizeibeamtinnen und –beamten, wobei er seine Worte genau abwägt. „Ich war durch die Zeit damals, in der ich ausgebildet wurde, mental vorbereitet“, ergänzt der Polizeipräsident. Es sei eben ein sogenannter „gefahrengeneigter“ Beruf. „Das bedeutet, man muss sich darüber im klaren sein, dass man auch mit der Waffe bedroht werden könnte.“ Heute müsse sich ein Polizist zusätzlich die Frage stellen, wie er reagiert, wenn einer mit einem Sprengstoffgürtel auf ihn zugeht. „Das ist eine neue und besondere Situation“, betont Kluwe. Abgesehen von diesen worst-case-Szenarien sei es aber so, dass der Großteil der Bevölkerung sich sehr sicher fühle. Was nicht zuletzt an dem Bild der Polizei liegt, das in der Bevölkerung herrscht. „Der überwiegende Teil hat ein hohes Vertrauen in die Polizei“, berichtet Kluwe und dabei schwingt ein bisschen Stolz in seiner Stimme mit. Er selbst ist gerne Polizist. „Ich habe meinen Beruf keinen Tag bereut und nicht einmal daran gezweifelt, dass es die richtige Entscheidung war.“

Dem Polizeisportverein ist er treu geblieben: Heute ist er auch dort Präsident.