Erfolgreich, frech, einfallsreich: Als eine der ersten A-Cappella-Formierungen tourt Maybebop seit fünfzehn Jahren durch die Lande und füllt mit hundert Konzerten im Jahr die Hallen In Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das Rezept für den Erfolg kommt auch von Oliver Gies. Er schreibt die Texte (ausschließlich auf deutsch) und komponiert die Songs den anderen drei Bandmitgliedern auf den Leib. Die Entdeckung seines Talents kam ausgerechnet aus der Situation heraus, dass er eine schlechte Note in Musik zu erwarten hatte. Am Gymnasium in Rotenburg an der Wümme, dass der aus Visselhövede stammende Schüler Oliver besuchte. „Mein Lehrer sagte mir damals, wenn ich beim Chor mitsingen würde, könnte ich meine Note noch retten“, erzählt der zurückhaltend wirkende Musiker mit dem Stoppelbart und der Brille. „Ich war bis dahin ein graues Mäuschen, hatte einen besten Freund in der Klasse und war ziemlich mittelmäßig in der Schule“, erinnert er sich und lächelt. „Als ich im Chor zu singen anfing, stellte ich sehr schnell fest, dass es mir Spaß macht. Und dass ich eine Stimme habe!“ Und offensichtlich auch sehr viel musikalisches Talent, denn innerhalb kurzer Zeit begann der damals 14-Jährige mit Klavierspielen, nahm zusätzlich Saxophon-Unterricht und begann gleich in der Bigband der Schule zu spielen. „Ich habe im wahrsten Sinne des Wortes eine Stimme bekommen“, meint er nachdenklich. „Ich kam in die Clique der Musiker in der Schule, dadurch erweiterte sich mein Freundeskreis erheblich.“ Eines Tages war er mit ein paar seiner Kumpels zusammen, sie hatten Lust, Musik zu machen. „Was lag da näher, als einfach zu singen?“ Die Idee einer A-Cappella-Band war geboren. Oliver Gies studierte anfänglich Musik und Mathematik auf Lehramt in Hannover, wechselte dann aber sehr bald an die Folkwang – Schule in Essen. „Da habe ich im Jazz, Pop und Rock-Bereich Musik studiert, aber nicht zuende.“ Grund: „Ich habe damals schon sehr viel Musik mit Maybebop gemacht und wollte nur noch komponieren. Abgesehen davon bin ich nicht der durchgeknallte Künstler, der der Welt unbedingt zeigen muss, was sie noch nie gesehen hat. Und in Essen war das ein bisschen so, dass man dahin gebracht werden sollte.“ Oliver Gies macht eine kurze Pause und fährt dann fort: „Was ich damals schon konnte, war, Stile zu kopieren. Und das hat mir schon gereicht“, meint er und lächelt offenherzig. Offensichtlich scheint er aber noch eine Menge zu können: Inzwischen ist er ein bundesweit gefragter Arrangeur in der deutschen Chorszene, coacht Ensembles und Chöre und schreibt Auftragskompositionen. Für Maybebop schreibt Oliver Gies inzwischen auch politisch ambitionierte Texte. Wie etwa das Stück „Marschbefehl“ auf der neuen CD „Sistemfeler“: „Viele sind schon mit Begeisterung stolz ins Verderben marschiert/ Für´s deutsche_/ Folglich ist trügerisch, wie er jubiliert/ Also prüft unbedingt, ehe ihr ihm folgt/Erstmal. wer ihn dirigiert.“ Kritische Texte ziehen mitunter böse Reaktionen von Fans nach sich, weiß Oliver Gies. „Über das Deutschlied, unserer Version vom Deutschlandlied, regte sich eine Frau sich in einer ellenlangen Mail furchtbar auf.“ Maybebop nutzt die Chance, nimmt Teile der Mail als Intro beim nächsten Konzert und singt – das „Deutschlied“. „Viele Leute denken, A Cappella muss nur banal und harmlos sein, das ist halt ein Irrtum.“ Lampenfieber habe er bei seinen Live-Auftritten mit den anderen drei Musikern Jan Malte Bürger, Lukas Herbert Helmut Teske, Heinrich Sebastian Schröder schon lange nicht mehr. „Ich fand Lampenfieber immer doof. Mit der Gruppe auf der Bühne fühle ich mich sicher und bin auch gern mal im Hintergrund. Das ist nicht vergleichbar mit einer Rockband, wo alles von der Aura des Sängers abhängt.“

Privat hört der 44-Jährige übrigens auch viel Musik. Nur keine A-Cappella-Gruppen. „Ich kenne sie doch alle!“