Eine Münze liegt auf einem kleinen Plexiglastisch. Zauberer Carsten Böttcher steht auf der anderen Seite des Tischs, der sich in seinem Studio unter dem Dach seines Hauses in Isernhagen befindet. Schachteln mit Spielkarten, kleine Bälle, Satin-Säckchen mit geheimnisvollem Inhalt, Münzen verschiedener Größe und nach Pfefferminz duftende Visitenkarten sind zu entdecken. Sogar ein echter Koffer von Marlene Dietrich hat hier seine letzte Reise beendet. Hund Cooper sitzt vor seinem Herrchen und guckt ihm aufmerksam zu. Münze und Tisch gehören zu einem seiner verblüffendsten Zauberkunststücke: Der 56-Jährige ist Close-Up-Zauberer.

„Das bedeutet, ich habe einen direkten Kontakt zum Publikum.
Dort kann ich viel einfacher als auf der Bühne Situationskomik entwickeln“, erzählt er. Mancher Trick braucht über 100 Stunden, bis er perfekt sitzt.
Und Carsten Böttcher ist kein geduldiger Mensch. „Wenn ich einen neuen Trick lerne, will ich ihn unbedingt ganz schnell auch vorführen“, schmunzelt er.
Schuld an seiner Leidenschaft für die Zauberei ist sein Onkel. „Er hat mir Zauberkunststücke gezeigt, seit ich fünf Jahre alt war und seitdem wollte ich das auch machen.“
Anfangs sah es aber nicht so aus, als wenn sich sein Wunsch erfüllen sollte.
„Ich habe Schornsteinfeger gelernt und habe den Betrieb auch noch“, erzählt er. „Zum Zaubern hab ich gefunden, als ich einmal meinen Neffen im Kinderkrankenhaus auf der Bult besuchte.

Als Carsten Böttcher dort die anderen kranken Kinder sieht, will er etwas für sie tun. „Ich liebe Kinder. Und dachte mir, da müsste man was machen, damit sie fröhlicher sind.“ Aus der Idee wird ein Ehrenamt, das er über 22 Jahre lang ausübt.
„Ich bin jeden Freitag auf die Bult gefahren und habe dort gezaubert – übrigens als erster Krankenhaus-Zauberer Deutschlands.“ Zu Beginn arbeitet er viel mit Luftballons, die er zu Tieren formt. Es folgen viele Auftritte bei Kindergeburtstagen, später kommen die großen Veranstaltungsorte wie der Opernball in Hannover oder das GOP hinzu. Insgesamt hat Carsten Böttcher über zweihundert Tricks einstudiert.
Die Kunststücke hat er sich selbst ausgedacht oder gekauft und weiterentwickelt. „Dafür gibt es einen eigenen Markt und Messen, auf denen sie vorgeführt werden und man auch das Zubehör kaufen kann.“ Allerdings sei er kein klassischer Zauberer. „Simsalabim war gestern. Ich interagiere sehr viel mit dem Publikum“, berichtet Carsten Böttcher. Das Geheimnis seiner Kunst? „Timing! Das ist das A und O jeden Tricks. Und ich bin unheimlich schnell. Es geht immer darum, den Blick des Zuschauers vom eigentlichen Trick abzulenken.“ Das gelingt bei Erwachsenen gut, bei Kindern nicht immer.
„Sie schaue oft genau dahin, wo sie nicht hingucken sollen. Deshalb habe ich die Tricks auch im Krankenhaus immer gut testen können, denn Kinder finden eher die Schwachstelle.
“Wenn Carsten Böttcher nicht gerade durch Deutschland tourt, ist er zuhause mit dem Zaubern beschäftigt. „Meine Hände sind immer in Bewegung, überall im Haus liegen zum Beispiel Kartenspiele herum, mit denen ich Tricks übe.“ Und die kommen beim Publikum sehr gut an. „Manchmal finde ich allerdings einen Trick besonders toll und übe den hundert Stunden. Und dann führe ich ihn vor und das Publikum klatscht höflich und will dann doch den alten Trick mit den zwei Bällen sehen“, verrät er. Dabei gibt es nach seiner Erfahrung drei Arten von Zuschauern. „Die einen wollen Spaß, dann gibt´s die, die wissen wollen, wie´s geht und die dritten meinen schon, dass sie´s wissen.“Er selbst lässt sich auch noch gern verzaubern. „Ich kann gute Zauberei einfach nur genießen und dabei staunen wie ein Kind“, sagt der große schlanke Mann mit leuchtenden Augen. Es dürfen nur keine Tiere mit auf der Bühne sein. „Das ist zum Glück bei ganz vielen heute sehr verpönt, denn es ist Tierquälerei!“

Sein Vorbild ist Jean Robert-Houdin, der als Vater der modernen Magie gilt. „Er hat mal gesagt: Die Kunst des Zaubern besteht nicht darin, wunderbare Dinge zu vollbringen. Sie besteht eher darin, den Zuschauer davon zu überzeugen, dass wunderbare Dinge geschehen“, zitiert Carsten Böttcher aus dem Gedächtnis und weist auf das Fünf-Cent-Stück auf dem kleinen Tisch. „Halte Deine Hand darunter, so, dass die Handfläche nach oben zeigt“, sagt der Zauberer und streicht mit der Hand im Abstand von zehn Zentimetern über die Münze. Ein winziger Augenblick nur, die Münze ist vom Tisch verschwunden. Sie liegt nun kühl und rund auf der Handfläche des Besuchers unter dem Tisch. Das kann nur echte Zauberei sein!

 

Infos unter: www.carstens-magic.de