Seit 1953 warten die beiden Landstreicher Estragon und Wladimir auf Godot. Der kommt nicht. Immer noch nicht. Aber im Ernst: „Warten auf Godot“ von Samuel Beckett zählt zu den berühmtesten Theaterstücken der Welt. Ohne Frage ein Klassiker. Der Autor selbst hat es übrigens stets abgelehnt, seine Stücke öffentlich zu interpretieren. Er soll mal gesagt haben „Hätte ich gewusst, wer Godot ist, hätte ich das Stück nicht geschrieben.“

Theaterfreunde können sich jetzt auf eine ganz besondere Interpretation des Klassikers freuen. In dieser Spielzeit kooperiert das Schauspiel Hannover erstmals mit der Tanzkompagnie Landerer & Company, die am 28. September das Tanztheater „Lucky“ nach Samuel Becketts Stück im Schauspielhaus auf die Bühne brachte. Vier weitere Vorstellungen der neuen Tanztheaterproduktion stehen  bis Dezember 2017 noch auf dem Spielplan: am 20.10. (20:00 Uhr), 15.11., 17.11., 08.12., jeweils 19:30 Uhr.

Der Tänzer und Choreograf Felix Landerer gründete 2010 in Hannover Landerer & Company, mit der er die Potenziale des Tanztheaters als genreübergreifende Kunstform auslotet. Neben der regelmäßigen Forschungsarbeit mit seiner Company ist Landerers Name auch international eine Marke: Er ist Hauschoreograf des Scapino Ballett Rotterdam und war in den letzten Jahren als Gastchoreograf unter anderem für Tanzkompagnien der Oper Göteborg, für das Konzert Theater Bern, Theater Luzern, North-West Danceproject Portland (USA), Nationaltheater Mannheim, Theater Münster und Norddans (Schweden) tätig. Vergangenes Jahr erhielt Landerer den provisio-Preis der Stiftung Kulturregion für das Konzept der offenen Proben.

In „Lucky“ erforscht Landerer frei nach Beckett die Vergänglichkeit des Menschen: Unser Körper ist die unerbittliche Zeiteinheit unserer Existenz im Verhältnis zu seinem Verfall. Er ist die einzige Referenz, um uns im Hier und Jetzt zu spüren. Landerer & Company begeben sich auf die Suche, dem Verhältnis des Menschen zur Zeit einen Ausdruck zu geben, die Tänzer überlassen sich der Vergeblichkeit des Daseins und stemmen sich doch dagegen, in der Hoffnung, der Sinnlosigkeit vielleicht zu entkommen. Sie verausgaben sich und halten aus, kontrastieren Produktivität mit Stillstand, verlieren Zeit und holen sie ein. Gerade in den Momenten größter Langeweile entsteht schöpferische Kraft und zeigt des Menschen Fähigkeit, sich und seinem Dasein einen Sinn zu schaffen.

Die Tanztheaterproduktion „Lucky“ wird gefördert durch: Landeshauptstadt Hannover, Kulturbüro / Stiftung Niedersachsen / Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur / Stiftung Kulturregion.