Magische Momente

Sie kommen gerade von der Probe in der Musikhochschule. Susan, Sonja und Sofia sind das „Trio S“, eine junge Musikformation, die in Hannover gerade von sich reden macht und direkt auf dem Weg nach oben ist. ‚Drei Frauen und ein Akkordeon‘ kann man auf den Plakaten lesen: Eine ungewöhnliche Zusammensetzung und doch erobern Susan Jebrini (Mezzosopran), Sonja Catalano (Alt) und Sofia Kruszewski (Akkordeon) gerade die Herzen ihres Publikums. Seit November 2015 spielen die drei zusammen. „Damals fragte meine Professorin Frau Elsbeth Moser, ob jemand mit zwei Sängerinnen von der Professorin Frau Charlotte Lehmann zusammenspielen möchte, um bei ‚Live Music Now‘ vorzuspielen. Ich war sofort angetan von der Idee und seitdem gibt es uns als Trio S“, erzählt Sofia Kruszewski.
Die drei wurden Stipendiatinnen bei ‚Live Music Now Hannover e.V.‘ und sind seitdem eines der meistgebuchtesten Ensembles in Hannover. 2016 kam dann auch noch der Publikumspreis des Festivals „Klassik in der Altstadt“ dazu und just haben sie auch noch beim Internationalen Akkordeonwettbewerb Trossingen den
3. Platz gemacht. Erfolg auf der ganzen Linie also. Allein im letzten Jahr gaben die drei 40 Konzerte an den verschiedensten Orten: Kirchen, Seniorenheime, psychiatrischen Einrichtungen, im Autismuszentrum Hannover, im Taubblindenwerk oder in der forensischen Psychiatrie. Sonja Catalano beschreibt den Hintergrund des Projektes ‚Live Music Now‘: „Begabte Musiker sollen die Gelegenheit bekommen, in sozialen Einrichtungen aufzutreten, und die Menschen dort sollen in den Genuss von hochwertigen, klassischen Konzerten kommen. Oft sind sie schwerkrank und können nicht mehr an Veranstaltungen in der Stadt teilnehmen, deswegen treten wir in diesen Einrichtungen auf.“ Dieses Engagement geht auf eine Idee von Yehudi Menuhin zurück. Er prägte den Satz „Musik heilt, Musik tröstet, Musik bringt Freude“. Mit seinen mehr als 500 Konzerten während des Zweiten Weltkriegs half er unzähligen Kriegsopfern und Geflüchteten.
Es ist die hohe Emotionalität, die die Konzerte von
„Trio S“ ausmacht. Das Publikum ist oft so ergriffen, dass so manche Träne fließt, weil die Musik die Menschen auf einer Ebene berührt, die im Alltag sonst oft verloren geht. Susan Jebrini: „Es ist uns sehr wichtig, eine Nähe zum Publikum herzustellen. Wir möchten mit den Menschen gemeinsam singen. Deshalb moderieren wir unsere Veranstaltungen, schaffen emotionale Bilder, bewegen uns im Raum und überlegen uns oft intuitiv den nächsten Schritt. In dem Moment, wo das Lied erklingt, wissen die Menschen, dass sie mitsingen sollen. Das sind immer sehr magische, besondere Momente.“
Als die drei von ihrem Auftritt in der vollen Kreuzkirche erzählen, sind sie sofort wieder selbst ganz ergriffen. Mit dem gesamten Publikum stimmten sie „Dat du min leevsten büst“ an. Alle sangen aus vollem Hals mit. Ein echter Gänsehautmoment.
Das Repertoire von „Trio S“ besteht aus Opern, Kunstliedern und Volksliedern. Sie möchten ein breites Spektrum anbieten, damit die Zuhörer mit diversen Varianten der Musik in Berührung kommen können. Also nicht nur Kinderlieder für Kindergruppen oder Volkslieder für Senioren. Denn auch wenn sie in der Montessori-Schule das Händel-Duett singen, geht ihr Konzept auf, und sie bekommen einen direkten Draht zu den Kindern über ihre Interpretation der Musik.
Leider gibt es im Original keinerlei Literatur für zwei tiefe Frauenstimmen und ein Akkordeon. „Trio S“ beauftragte den Komponisten Vlado Gorup aus Kroatien, um ihnen sozusagen etwas auf den Leib zu schreiben. Das Stück ist gerade fertig geworden und sie sind gespannt, wie es klingt.
Volker Rinne vom Netzwerk für die Versorgung schwerkranker Kinder und Jugendlicher e.V. konnte
„Trio S“ für eine Kooperation gewinnen und begeisterte auch die VR-Stiftung der Volks- und Raiffeisenbanken in Norddeutschland von der Idee einer umfangreichen Konzertreihe mit acht Konzerten in ganz Niedersachsen. Unter dem Titel „Gutes hören – Gutes tun“ wird nun eine erste CD zugunsten des Netzwerkes produziert. Die Zusammenarbeit mit dem „TrioS“ soll den musikalischen Zugang zum klassischen Liederschatz befördern und gleichzeitig die Arbeit für eine Verbesserung der Versorgung schwerkranker Kinder und Jugendliche bekannter machen und unterstützen.

von Katharina Siekmann