Ein renommiertes Fotomagazin hat ihm in seiner aktuellen Ausgabe eine achtseitige Bildstrecke gewidmet, und beim „fineartforum“ in Paderborn bestückt er mit rund 80 Bildern die Hauptausstellung. Der hannoversche Fotograf Wolfgang Bartels zählt zur Zeit zu den gefragten Künstlern in der Analog-Szene. Die Fotografie auf Film erlebt momentan eine beachtliche Renaissance. Analoge Kameras werden wieder gekauft, neue Filme kommen auf den Markt und werden im heimischen Badezimmer entwickelt und nicht mehr zu Großlabors geschickt

  • Andreas Vogele, Straßenbahnführer im ÜSTRA-Depot Leinhausen, Hannover, 2006 :: Andreas Vogeler, Tram Driver, in Tram Depot Leinhausen, Hannover, 2006

Für Wolfgang Bartels sind solche Entwicklungsfabriken ohnehin ein „no go“. Er wollte in seiner Fotografie schon immer jeden Produktionsschritt beherrschen und beeinflussen – von der Entwicklung bis zur Vergrößerung. Er ist kompromisslos, was die Qualität seiner Arbeit angeht. Oft hat er nach einem Tag in der Dunkelkammer gerade einmal drei oder vier Vergrößerungen geschafft oder besser geschaffen, die seinen Ansprüchen genügen. Wer diese Bilder anschaut, spürt dabei aber auch, was das Prädikat „fineart“ bedeutet.

Da gibt es dieses Motiv von einer verschneiten Landschaft. „Winter vor Müllingen“ heißt das Bild. Eine schwarze Baumreihe, die sich in hauchzartem Grau verliert, eingebettet in eine Schneelandschaft. Vermutlich könnte kein Labor dieser Welt das Weiß des Schnees ganz genau so weiß drucken, wie Bartels sich das wünscht, und diese letzte Zeichnung eines filigranen Graus der sich auflösenden Baumreihe gelänge schon gar nicht. Der Künstler braucht die  Dunkelkammer, seine Dunkelkammer.

In der aktuellen Ausstellung und in dem Fotomagazin zeigt Bartels seine Schwarz-Weiß-Arbeiten. Neben den Porträts geht es vornehmlich um Architektur. Dieser Fotograf sucht allerdings nicht die spektakulären Bauten oder die aufregende Perspektive: „Mich beeindrucken klare Formensprachen und einfache Linienführungen.“ Und oft ist es dann ein Ausschnitt, der das Bild auf den Punkt bringt. Alles (für den Fotografen) Überflüssige ist verschwunden. Das Bild ist reduziert auf wenige Formen und Linien, und im schönsten Fall ist ein ganz neues Zusammenspiel dieser Elemente entstanden, das in der Realität für die meisten Betrachter unsichtbar bleibt, verborgen im Gesamtensemble. Wie zum Beispiel in dem Foto „Architektonisch – musikalische Fuge“. Ein Detail, gefunden in der Fassade der prachtvollen ehemaligen Zigarettenfabrik „Yenidze“ in Dresden.

Ein anders Beispiel für Bartels Blick auf die Welt ist das Bild einer alten Villa in der Schleiermacher Straße. Man sieht nur einen Zaun und das Portal, Ornamente und weiße Wände. Dieses Haus, so wie Bartels es sieht, könnte auch irgendwo in Südeuropa stehen. Er hätte dieses Motiv von einer seiner Unternehmungen mitbringen können. Von Zeit zu Zeit gönnt sich der Künstler, gemeinsam mit seiner Frau, ausgedehnte Reisen. Island hat er gerade besucht. Natürlich nicht, ohne  seinen berühmten Kollegen Ragnar Axelsson zu treffen. Die beiden hatten sich beim Lumix-Festival auf dem Expo-Gelände kennengelernt. Afrika hat Bartels aus beruflichen Gründen häufiger bereist; die mitgebrachten Bilder hat er in mehreren Kalendern und verschiedenen Ausstellungen präsentiert.

In naher Zukunft steht jetzt allerdings erst einmal Kleefeld ganz groß im Pflichtenheft des Fotografen. Er ist derzeit, meist unübersehbar, im Stadtteil unterwegs. Selten fotografiert er ohne Stativ und oft hat er diese mächtige, etwas altertümlich wirkende Großformatkamera auf optischer Bank im Gepäck. Manchmal kommen Kinder vorbei, bleiben stehen, sind neugierig und der Fotograf muss dann erklären, was es mit dem geheimnisvollen Apparat auf sich hat.

An zwei Themen arbeitet Wolfgang Bartels zur Zeit: Kleefelder Architektur und Kleefelder Menschen. Wer im Stadtteil wohnt oder arbeitet und sich auf das Abenteuer einer Sitzung einlassen will, kann den Fotografen durchaus ansprechen (email: wolfgang.bartels.photo@t-online.de ) oder anrufen. Einzige Bedingung: Die potenziellen Modelle müssen Geduld und Zeit mitbringen. Geduld, weil erst einmal eine Warteliste abgearbeitet werden muss, und Zeit, weil eine Porträtsitzung mit Wolfgang Bartels sorgfältig inszeniert und ausgeleuchtet wird. Digitales Ruckzuck ist nicht seine Sache.

Wolfgang Bartels zeigt einen Teil seiner Arbeiten auf seiner Homepage unter  www.wolfgang-bartels-photo.de. Dort kann man die Motive auch kaufen. Alle Bilder sind Handabzüge vom Fotografen selbst gefertigt.