Die Polizeiwagen sind abgezogen. Im Museum Wilhelm Busch musste man nicht mehr um die Sicherheit fürchten, seit die Ausstellung „Charlie Hebdo“ abgebaut ist. Im Palais im Georgengarten waren zwei ganz ungefährliche Füchse und ein gewitzter Wolf mit ihren Freunden eingezogen. Das Deutsche Museum für Karikatur und Zeichenkunst gab bis zum März einen Einblick in die Welt des Verlegers Rolf Kauka. Man kann ihn getrost den Vater der erfolgreichsten deutschen Comic-Reihe nennen.

Im Oktober 1953 begann die Karriere der abenteuerlustigen Füchse Fix und Foxi.
Sie waren sozusagen die Antwort auf die Mäuse- und Enteninvasion aus Amerika, auf die Welt des
Walt Disney. Und der Erfolg der Füchse und der anderen Kauka-Geschöpfe war gigantisch. Bis zur Einstellung der Serie im Jahr 1994 wurden 780 Millionen Hefte verkauft. Einige Ausgaben erreichten Spitzenauflagen von mehr als 400 000 Exemplaren. Heute werden Fix und Foxi nicht mehr gedruckt. Die Comic-Figuren leben aber weiter als Fernsehfiguren im Pay TV in mehr als 130 Kabelnetzen überall in der Welt.

Die Ausstellung bei Wilhelm Busch zeigte nicht nur Comic-Strips oder Figurenentwürfe und alte Titelbilder aus der Blütezeit der Fuchsfamilie. Sie gab auch einen Einblick in das Kauka-Universum. Viele Zeichner haben für den erfolgreichen Verleger gearbeitet, der 2000 verstorben ist. Kaukas Name stand zwar auf den Titelblättern, die schöpferische Arbeit aber erledigten eine Reihe von Zeichnern, die den jugendlichen Leser meistens unbekannt blieben. In der Ausstellung im Georgenpalais wird ihre Arbeit noch einmal gewürdigt. Dorul van der Heide zählt dazu, Ludwig Fischer, Walter Neugebauter und auch Vlado Magdic, der 1931 in Dubrovnik geboren wurde, an der Kunstakademie Zagreb Malerei und Bildhauerei studierte und sich später in Hannover niederließ.

Magdic hatte sich ein Fachwerkhaus am Groß-Buchholzer Kirchweg umgebaut, wo er auch arbeitete. Sein Atelier ist heute noch zu besichtigen, seine Werke jenseits des Comiczeichnens sind dort auch zu kaufen. Die Tochter des 2011 gestorbenen Künstlers, die Illustratorin Catharina Teofilovic, lädt regelmäßig in das Atelier ihres Vaters ein. Vlado Magdic hat neben Fix und Fox in erster Linie die Abenteuer von Tom und Klein Biberherz gezeichnet, die zumeist im Wilden Westen spielen. Eine Ausnahme war die Zeichnung, die im Museum neben dem kleinen Foto von Vlado Magdic hängt. Der schwarz-weiße Entwurf zeigt Tom und klein Biberherz vor dem Eiffelturm. Die beiden sollten gemeinsam mit Opa Nikodemus dafür sorgen, dass in Europa die Blue Jeans eingeführt wird. Die Episode ist allerdings nie erschienen.

Was es bis zum März im Museum Wilhelm Busch zu sehen gab, gehört heute Stefan Piech. Der Neffe des Volkswagen-Patriarchen Ferdinand Piech hat von Rolf Kaukas Witwe den Nachlass des Comic-Verlegers erworben. Bei der Ausstellungseröffnung erzählte Piech, dass Rolf Kauka sicher stolz gewesen wäre auf die Bilderschau im Georgengarten.
Denn  zu seinen Lebzeiten verehrte er Wilhelm Busch als einen ganz besonderen Pionier der Bildgeschichte.

Bevor der Besucher in die Fix-und-Foxi-Welt eintauchen darf, kommt er durch die sogenannte Kabinettausstellung. Hier zeigte das Museum aus Anlass der Verleihung des 10. Karikaturpreises der deutschen Anwaltschaft rund 60 Werke von Achim Greser und Heribert Lenz unter dem Titel „Witze für Deutschland“. Seit 1996 zeichnen die beiden Karikaturisten für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, den „Focus“ und für „Titanic“. Greser und Lenz bewegen sich an der Schnittstelle von Karikatur, Illustration und Comic. Ihre Arbeiten sind geprägt von zumeist ungewöhnlich ausführlichen Textbeigaben in Sprechblasen oder Bildunterschriften. Die Verleihung des Karikaturpreises fand erstmals im Museum Wilhem Busch statt. Achim Greser und Heribert Lenz bekennen sich zu einer eindeutigen Maxime: Jeder Krieg hat seine Opfer, das gleich gilt für den guten Witz.